Gehe ich zu viel spazieren?

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich möchte hier mal etwas ansprechen, was mir schon länger im Kopf herum schwirrt. Und zwar, wie ich die richtige Länge für Spaziergänge erkenne. Ich bin bei Joyce hin und her gerissen, ab wann das Spazieren für sie zu viel wird. Also, erst einmal grob, wie viel wir unterwegs sind: Ich muss dazu sagen, dass wir meistens den Radius vom einem Kilometer vom Haus (meist nicht mal das) nicht überschreiten. Unsere größten Runden von circa einer Stunde machen wir etwa 3 mal die Woche, seit einem Monat oft in Begleitung von einem anderen Hund-Frauchen- Gespann. Also morgens zum Lösen raus, je nachdem 10-20 minuten. Mittags dann eine ausgiebigere Runde bis zu einer Stunde. Abends/Nachts noch ein bis zweimal maximal 10 Minuten zum Lösen. Wobei die letzte Runde die ist, wo sie und ich am entspanntesten sind.biggrin


    Bei den langen Runden wirkt Joyce sehr gestresst, was sich darin äußert, dass sie extrem an der Leine zieht. Sie war von Anfang an, ohne Training, kein großer Leinenzieher, klar ist sie nicht perfekt gelaufen, auch heute nicht, aber bei diesen Runden zieht sie im Vergleich dazu wie eine Verrückte. Deutlicher wird es bei ihr schon, wenn sie einfach nicht weiter laufen will und mich mit diesem Blick anguckt: "Ich will nach Hause." Dann drehe ich meistens um. Das Leinen ziehen wird besser, je näher wir ans Haus ran kommen. Außer wenn der andere Hund dabei ist, dann nicht immer.


    Nun habe ich aber doch durchaus das Gefühl, dass sie etwas erleben will. Sie schnüffelt gerne, sie guckt sich neugierig alles an, will erforschen. Aber....das beste Gefühl während und nach eines Gassigangs habe ich immer dann, wenn wir mehr gestanden und gesessen haben, als dass wir gegangen sind. Also dass ich Joyce unendlich viel Zeit gebe, sich alles anzusehen. Dass wir uns zusammen auf eine Bank oder eine Mauer setzen und in die Luft gucken. Wo sie auch wirklich nicht fiepst, sich alles interessiert anguckt und nicht weiter will, wenn ich denke, dass wir mal weiter müssten. Bei solchen Gassigängen (oder eher Gassi-Sitzen) sind wir auch gut und gerne mal 45-60 Minuten draußen, aber haben uns eben gerade mal 5-10 Minuten von Zuhause entfernt.

    Ja und dann ist da wieder die Stimme, die sagt: Der Hund braucht mehr Bewegung, der Hund muss mehr rennen.


    Im Garten hat sie manchmal ihre 5 Minuten, da rennt sie wie bekloppt, aber der Garten ist recht klein. Mit dem anderen Hund lasse ich sie nicht gerne rennen, weil der zu wild ist und lieber raufen will als rennen, was Joyce wieder nicht mag. Manchmal rennt sie auf einer Wiese, wenn kein Kaninchen in Sicht ist. :windhund:


    Ich habe schon überlegt, mal ein Aktionen -und Stresstagebuch zu führen über zwei Wochen und das dann mit der Trainerin zu besprechen.


    Ich habe Angst, dass ich den Hund unterfordere. Wir clickern, ja, im Garten sucht sie mal an Leckerli, buddelt, wälzt sich, rennt. Aber wirkliche geistige Auslastung oder eine Aufgabe habe ich ihr noch nicht gegeben. Sie ist jetzt ein Jahr bei mir...mein Gefühl sagt, dass das eigentlich so okay sein könnte...bald will ich sowieso mit einigen weiteren Kommandos üben und auch ZOS anfangen....aber dann sind da natürlich auch Zweifel. wegflitzsm



    Ja, ich weiß auch nicht so genau, was ich hiermit will, aber vielleicht fällt ja jemandem dazu etwas ein, bzw könnt ihr mal berichten, wie ihr das richtige Pensum gefunden habt. smpfeifen


    Sollte ich die großen gemeinsamen Runden reduzieren, wenn sie so gestresst ist? (Anzeichen starkes Ziehen und hastiger werden und so komisches "Trippel-Staksen" statt normales Laufen) Achja: Sie freut sich IMMER wie Bolle, wenn ich sage, dass wir raus gehen. dancesm


    Liebe Grüße!!

    Lina und JoycesmGassi

  • Hast du denn das Gefühl, dass eventuell auch der andere Hund sie stressen könnte? Das war jedenfalls mein erster, spontaner Gedanke beim Lesen.

    Wegen zu wenig Bewegung und/oder zu wenig "Auslastung" (Gott, wie ich dieses Wort hasse! :wand:) würde ich mir keine Gedanken machen. Sie ist doch geistig genug damit beschäftigt, sich ihre Welt zu erkunden und anzuschauen.

  • Hast du denn das Gefühl, dass eventuell auch der andere Hund sie stressen könnte? Das war jedenfalls mein erster, spontaner Gedanke beim Lesen.

    Wegen zu wenig Bewegung und/oder zu wenig "Auslastung" (Gott, wie ich dieses Wort hasse! :wand:) würde ich mir keine Gedanken machen. Sie ist doch geistig genug damit beschäftigt, sich ihre Welt zu erkunden und anzuschauen.

    Ja, ich mag dieses Wort auch gar nicht :D Das führt schnell zu dem Denken: Monatag Hundeschule, Dienstag Dog Dancing, Mittwoch Agility, Donnerstag großes Treffen mit ganz vielen Hunden, Freitag Wandern, Samstag Obedience, Sonntag Mantrailing. Oder so ähnlichsmlach


    Ja, ich glaube schon, dass es sie in gewisser Weise stressen könnte, dass der andere Hund potenziell aufdringlich werden könnte. Allerdings wird sie entspannter, je öfter/länger wir einfach nur mit Abstand nebeneinander her gehen. Das ist auch wieder das Thema: Wie viel Sozialkontakt? Den perfekten souveränen Hund haben wir leider noch nicht gefunden...smweißnichtDas heißt, doch: Der Hund der Trainerin. Aber die ist ja nur alle paar Wochen hier.

    Heute zB bin ich die große Runde alleine gegangen, da war sie auch sehr gestresst-ich hätte eher umdrehen müssen, denn wir sind an vielen Baustellen vorbei, haben eine gruseligen Mann gesehen....

    Ich habe das Kommando "Kehrt" mit ihr geübt. Das könnte ich zwischendrin mal sagen und gucken, wie begeistert sie umdrehen willbiggrin

  • Wie viel Sozialkontakt?

    So viel sie wirklich selber mag! biggrin

    Da gibt es kein Muss und Soll.

    Es gibt Hunde, die lieben die Gesellschaft von anderen Hunden, andere können gut darauf verzichten, und dann noch ganz viele verschiedene Varianten dazwischen.


    Und dann: Sozialkontakt bist du ja auch, du bist halt nur kein Artgenossenkontakt.

  • Wenn ihr abends beide entspannter seid, könntet ihr doch diese Runde ausweiten und mal schauen wie sich das auf den Alltag und die anderen Gassi Runden auswirkt.


    Karma kutschiere ich ja gerne mal in Meenschenleeres Gebiet, um entspannter unterwegs zu sein. Das heißt aber trotzdem Reize-(Thema Jagdttrieb). Da kann dann ne Stunde auch schon zuviel sein. Also ich denke, da muss man dann auch nicht nur rein nach der Uhrzeit gehen...

    Wenn Karma z.B. ein Tag zuvor Sozialkontakt im Tierheim hatte (bin da ehrenamtlich), evtl. Stressspaziergänge hier um den Block hatte, dann gibt es auch mal nur Pippi Runden an den folgenden Tagen, Schlaftag, gemeinsam zur Ruhe kommen oder halt mal ein Zerrspiel mehr, oder Apportieren drinnen...

    Und ich habe nicht das Gefühl, daß Karma unausgeglichener ist.

    Weniger heißt nicht immer schlechter, sondern im Menschenalltag helfen, um irgendwann zum Alltagshelden zu werden.


    Wie Joyce ist Karma am 1.12 ein Jahr bei mir und sie sucht auch viel mehr meine direkte Nähe. Das was wir ihnen geben, das ist doch schon viel an Bewegung!

  • Ich hab bei Laila 2 Indikatoren, ob es zuviel ist/wird. Zum einen zieht sie dann auch wie blöde und lässt sich da auch nicht rausholen und sie kann nicht (mehr) links und rechts mal schnüffeln. Das nicht schnüffeln können ist das erste Anzeichen, dann fängt sie irgendwann an zu ziehen und dann kommt der Punkt wo sie nur noch kopflos zieht. Ich versuche immer, gar nicht erst dahin zu kommen, dass Laila nicht mehr schnüffeln kann.

    Ich geh maximal 1x am Tag mit Laila raus, ansonsten nur in den Garten. Garten ist immer noch anstrengend genug - man hört andere Menschen und/oder Hunde, riecht mal Katzen oder im Nachbargarten ist jemand auch draussen.

    Wir machen viele Suchspiele im Garten, suchen den Dummy oder machen auch einfach mal "nur" Gymnastik. Damit ist Laila gut ausgelastet.

  • Ich kann dir nur von uns berichten.


    Neo ist ein Dobermann und jeder aber auch jeder (außer die, die ihn kennen und verstehen) meint, der muss laufen, laufen, laufen, rennen und braucht "Schutzdienst" oder sonstige Typgerechte Auslastung.


    Tja laufen und rennen ist Gift für ihn. Da puscht er sich dann so hoch, das er auf alles überreagiert.


    Seit ich bei ihm die Zeit draußen massiv gekürzt habe und das ganze strukturiere geht es wesentlich besser. Wir haben uns bekannte Strecken aufgebaut und laufen keine Runden mehr. Ich laufe die Strecke hin und genau gleich wieder zurück. Auf dem Hinweg ist er mit schnüffeln beschäftigt auf dem Rückweg kann er sich sehr oft auf mich konzentrieren und Aufgaben mit mir lösen oder spielen.


    Ich laste ihn mit Kopfarbeit und Suchspielen daheim gezielt aus. Auch einfach nur an der Haustür oder im Garten stehen und schauen ist für ihn immens anstrengend.

    Zwischendurch gehen wir Trailen oder mal auf ein Begegnungstraining.


    Im Grunde genommen ist bei ihm weniger ...mehr.

  • Zitat

    Ich laufe die Strecke hin und genau gleich wieder zurück. Auf dem Hinweg ist er mit schnüffeln beschäftigt auf dem Rückweg kann er sich sehr oft auf mich konzentrieren und Aufgaben mit mir lösen oder spielen.

    So mache ich es auch sehr oft. Abgesehen davon haben wir eh nur wenige Strecken, die wir gehen und auf denen wir beide uns wohlfühlen.

    Nur selten kommt mal eine unbekannte Strecke mit dazu, auf Wunsch meines Mannes :rolleyes:. Die gehen wir dann möglichst hin und zurück.

  • Ihr Lieben, es gibt Neuigkeiten....es ist mal wieder alles so gekommen, wie es sollte, die Puzzleteile haben sich ineinander gefügt!


    Also: Gestern Abend war ich bei einem Vortrag der Hundetrainerin Birgit Kappler-Reinhold hier in Paderborn. Thema: Körpersprache der Hunde. Und was soll ich sagen: Alle Fragen, die ich in diesem Thread hier gestellt habe, hat sie mir beantwortet. Ich habe auch nochmal mein Problem mit Joyce geschildert und sie hat mir versichert, dass ich nicht zu wenig unterwegs bin: Im Gegenteil, dass es für unsere Hunde so anstrengend ist, sich alles anzugucken, vor allem eben Angstauslöser und gruselige Dinge. Dass es super ist, den Hund mal Hund sein zu lassen und dann wieder was zusammen zu machen. Dass wir Ruheinseln auf dem Spaziergang einführen sollen und dass es nicht darauf ankommt, wie viele Meter wir zurück legen, sondern wenn überhaupt, wie lange wir an der frischen Luft sind.

    Und was soll ich sagen, heute morgen konnte ich all das direkt anwenden, denn wir haben für Straße rauf und runter, nicht mal 500 Meter, fast eine Stunde gebraucht. Denn Joyce hat geguckt, geguckt und nochmal geguckt. Und geschnüffelt. Und ist der französichen Bulldogge begegnet, vor der sie solche Angst hat. Und ich hatte das Gefühl, dass ich damit gut umgegangen bin!


    Jedenfalls fühle ich mich jetzt viel besser und sicherer und bin so froh, dass ich den Vortrag besucht habe! Unsere Gassipartnerin war auch dabei und so teilen wir das gleiche Wissen und können unsere gemeinsamen Spaziergänge auch dementsprechend gestalten!!


    Danke euch für eure Tips und Erfahrungen, das deckt sich alles genau mit dem, was ich gestern erfahren habe!!

  • Seit ich bei ihm die Zeit draußen massiv gekürzt habe und das ganze strukturiere geht es wesentlich besser. Wir haben uns bekannte Strecken aufgebaut und laufen keine Runden mehr. Ich laufe die Strecke hin und genau gleich wieder zurück. Auf dem Hinweg ist er mit schnüffeln beschäftigt auf dem Rückweg kann er sich sehr oft auf mich konzentrieren und Aufgaben mit mir lösen oder spielen.


    Ich laste ihn mit Kopfarbeit und Suchspielen daheim gezielt aus. Auch einfach nur an der Haustür oder im Garten stehen und schauen ist für ihn immens anstrengend.

    Das mit dem Strukturieren habe ich gestern auch gerlernt, habe es unbewusst auch schon ein bisschen so gemacht und jetzt sehe ich, wie gut Joyce das tut!

  • Wenn ihr abends beide entspannter seid, könntet ihr doch diese Runde ausweiten und mal schauen wie sich das auf den Alltag und die anderen Gassi Runden auswirkt.

    Ich dachte erst: Auweiten geht nicht, denn nur diese eine Straße geht Joyce im Dunkeln entspannt, aber ausweiten heißt ja nicht umbedingt von der Strecke her. Ich werde jetzt vermehrt ein paar Suchspiele machen oder ein paar Kommandos abfragen und Rückruftraining zb. Oder lasse Joyce auf einer Mauer balancieren, was sie unheimlich mag und wir gucken ein bisschen ind er Gegen rum. jawollsm


    Gestern ist sie auch auf eine Mauer gesprungen, dann noch höher (circa einen Meter über dem Boden) und ist fast abgerutscht und runter gefallen und in meine Armesmlach Konnte sie gerade noch retten. valasm