Hilfe mein Hund jagt! Hilfe mein Hund beißt mich!

  • Guten Morgen Ihr Lieben,


    bereits angeregt durch das neue Training von Kuki und Deine Berichte Petra, jetzt aber auch durch die "neue" Entwicklung (der aktuelle Ausraster) und das beginnende Gespräch mit Martina.


    Vorweg, Petra, Martina, ihr habt meinen vollen Respekt und es geht mir nicht darum Euch/Dich Petra zu kritisieren. Ich würde nur meine Gedanken dazu gerne mit Euch teilen und darüber schreiben/"Sprechen" mit Euch allen. Da diese Gedanken halt eher allgemein sind wollte ich sie so auch nicht in Kukis TB packen.


    Angeregt aber auch durch Alex, mit seinem ausgeprägten Jagdtrieb. Auch angeregt durch Alex Verhalten, dass er, wenn ihm was nicht gefällt, das durch knurren oder gar abschnappen (wenn er zusätzlich erschrickt) kundtut. Gebissen hat er dabei noch nicht.


    Ja, was treibt mich um?

    Ich habe für mich das Gefühl, dass ich (innerlich) anders über Jagd und Aggression nachdenke. Ich habe mir überlegt warum. Und ich kam durch Deine Beiträge Martina für mich auf den Grund, danke. Es ist bei mir nämlich so, dass ich bei Aggression vielmehr versuche den Hund psychologisch zu analysieren, weil ich viel direkter betroffen bin als beim Jagdverhalten. Dabei können bei beidem - also Jagd und Aggression - die Folgen sehr schlimm sein: Eigene Verletzungen (bei Jagd zwar eher nicht), eigene tiefe Betroffenheit durch die Beschädigung/Verletzung fremder Menschen/Tiere.

    Der Unterschied, dass ich selbst bei Aggression angegriffen werde, bringt mich in eine ganz andere Situation als "nur" Jagdverhalten. Jagdverhalten akzeptiere ich viel eher und beziehe es nicht auf mich persönlich (ich sorge ja schließlich auch ohne Jagd für einen satten Hund ;)). Aber warum Aggression und dann noch gegen mich selbst, wo ich es doch nur gut meine. Ich weiß, das klingt jetzt etwas platt, aber in den Beiträgen zu Kuki finden sich ja immer wieder die Passagen, wo es um die Frage geht, warum wird er aggressiv, hat er ein Trauma, ist es eine bestimmte Situation, ist es vermehrter Stress usw. ... was seine Angriffe auslöst. Im Endeffekt werden wir es nie genau wissen, immer nur vermuten können.

    Mir ist dieser Punkt so bewusst geworden durch Deine letzten Beiträge Martina bei Kuki, weil bei Dir das "Warum" gar nicht zur Sprache kommt.


    Können wir Menschen, die Frage, warum ist dieser Hund (manchmal) aggressiv, überhaupt beantworten? Ich denke nicht. Wir wissen, auch Hunde haben Gefühle, erleben gewisse Dinge, Riechen und nehmen aber ganz anders wahr als wir Menschen. Wie verarbeiten sie Erlebtes. Der eine Hund entwickelt Angst vor dem Staubsauger, weil ich ihm einmal damit angerempelt habe, den anderen lässt das kalt. Ich denke einfach, dass wir Menschen an Grenzen des Verständnisses stoßen, wenn wir Hunde und ihr Verhalten zu sehr analysieren, weil wir für uns selbst eine Erklärung brauchen.


    Beim Jagdverhalten versuche ich ja auch durch sicheren Rückruf, Superpfiff, gemeinsames Jagen (was auch immer), Bindungsarbeit u.ä. das Verhalten "händelbar" zu machen, ohne immer wieder zu überlegen, warum macht er das nun schon wieder!


    Bei Aggression scheinen viele/ich auch aber immer wieder auch die Frage zu stellen, warum wieder? Dabei aber weniger die konkrete Situation/Körperhaltung zu betrachten sondern eher die psychologische "Schiene" zu suchen.

    Versteht ihr was ich meine?

    Wichtig ist es mir, weil ich denke, es hilft nicht im "Handling" mit dem entsprechenden Hund, wenn ich immer wieder überlege, hat er nun ein Trauma, oder hat er doch keins?


    Freue mich auf regen Austausch mit Euch!! :):):)

    Liebe Grüße Sibylle mit Lucie und Alex

    "Würde das Gebet eines Hundes erhört, würde es Knochen vom Himmel regnen." Türkisches Sprichwort
    "Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." Antoine de Saint-Exupéry
    "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Bertold Brecht


    Jedes von mir geschriebene Wort ist meine Meinung. Kein Anspruch auf "Wahrheit", kein Überzeugungswille ist darin zu sehen. Bei Unklarheiten bitte Nachfragen, DANKE!

  • Ich kann ja eigentlich nicht viel beitragen.


    Aber:

    Ein Jäger ist darauf gezüchtet worden, zu jagen. Es liegt in den Genen.


    Bei Agression ist die wohl eher durch Erfahrung entstanden und deshalb denke ich, ist es wohl interessant, zu gucken wie die möglicherweise entstande ist um zu sehen, was braucht der Hund.

  • Ich kann dir ehrlich gesagt nicht wirklich folgen. Willst du nun den Hund mit seiner Aggression eher psychologisch betrachtet haben oder doch eher auf die "konkrete Situation/Körperhaltung" schauen? Das wird mir aus deinem text nicht ganz klar. :-)

  • ok, zweites Nadine :)

    Liebe Grüße Sibylle mit Lucie und Alex

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    Jedes von mir geschriebene Wort ist meine Meinung. Kein Anspruch auf "Wahrheit", kein Überzeugungswille ist darin zu sehen. Bei Unklarheiten bitte Nachfragen, DANKE!

  • Ein spannendes Thema und interessante Fragen, die Sibylle da aufwirft.


    Bei Agression ist die wohl eher durch Erfahrung entstanden

    Genau dieser Gedanke ist es meiner Meinung nach, warum es vielen Menschen so schwer fällt, mit Aggression umzugehen. Aggression gilt als unnatürlich, als Fehlverhalten.


    Aggression ist genauso ein angeborenes Verhalten wie Jagdverhalten. Es ist überlebenswichtig und dient entweder der Erhaltung der eigenen Unversehrheit, der Sicherung der Ressourcen oder durchaus der Durchsetzung eigener Interessen. Die Fachbegriffe sind Selbstschutzaggression, elterliche Schutzaggression und Wettbewerbsaggression. Auch wir Menschen haben ein gewisses Aggressionspotential. Jeder, der schon mal im Straßenverkehr geschnitten wurde oder nachts den Nachbarn beim Feiern zuhören durfte, weiß, für Aggression braucht es nur einen Auslöser und schwupp, ist sie da. In unserer Gesellschaft ist Aggression ein No-Go, egal ob jetzt bei Menschen oder bei Hunden. Wir haben verlernt, damit umzugehen. Für unsere Hunde ist Aggression aber völlig normal. Rüden tragen Kommentkämpfe aus, Welpen kriegen eine Ansage für unangemessenes Verhalten, Hündinnen erklären aufdringlichen Verehrern, was sie von ihren Avancen halten usw.


    Bevor jetzt hier Missverständnisse aufkommen, Aggression gegen Menschen geht gar nicht und es darf auch zu keinen ernsthaften Verletzungen kommen. Und natürlich muss man einem Hund helfen, der meint, er kommt nur mit Aggression durchs Leben. Aber für mich ist das Thema sehr viel komplexer als es oft dargestellt wird.


    Bin auch schon auf Eure Gedanken zu dem Thema gespannt.

    Wenn ich Zeit habe, schreibe ich gern noch etwas mehr dazu.

  • Michaela, da bin ich bei Dir, dass Aggressionverhalten zum Repertoir gehört und durchaus auch angwendet wird. Aber ein Hund wird nicht sofort ein Beschädigungsbeißen anwenden. Und das tut Kuki meiner Meinung nach. Da gibt es Vorstufen, wenn vernünftig sozialisiert, sei es in der Zucht oder in einem Rudel.

  • Ich denke, die Veranlagung zur Aggression ist schon angeboren, sonst müssten alle Hunde mit ähnlichen Erlebnissen aggressiv werden, werden sie aber nicht, manche reagieren in ihrer Angst so, dass sie sich total verkriechen, andere gehen nach vorne, reagieren aggressiv.

    Bei guter Sozialisierung kommt diese Aggression evtl. nie zum Vorschein ... ?

  • Genau Ina.

    Aggression ist genau wie der Jagdtrieb fest angelegt. Bei dem einem mehr, bei dem anderen weniger. Dazu kommen dann halt auch noch Grundcharakter und Erfahrungen.

    Wir Menschen wollen nur einfach nicht verstehen, das Aggression eigentlich was völlig normales ist .

  • Aggression gehört zum Leben, aber wir müssen alle lernen, unsere Aggression dosiert einzusetzen, egal ob Hund, Mensch, Katze, Vogel .... Es gibt natürlich auch noch die eher zurückhaltenden Individuen, die sich eher zurücknehmen als nach vorne zu gehen, deswegen wird jeder Hund bei gleichen Erlebnissen anders reagieren.

    Ich nehm jetzt mal Marnie und Laila als Vergleich. Beide waren Zuchtmuttis, Marnie war etwa 6 als sie aus der Zucht kam, Laila 4. Beide hatten gelernt, Menschen sind gefährlich, andere Hunde auch, denn dann werde ich vergewaltigt. Auch Marnie ging anfangs mit Beschädigungsabsicht auf andere Hunde los, sogar in ihrer Pflegestelle, weswegen sie als Einzelhund vermittelt wurde. Bei uns hat sie gleich auf der ersten Gassirunde einen Rüden getackert. Laila hat auf der PS den Altrüden bemuttert, war eher zum helfen da als das Frauchen, hat Neo von Anfang an vergöttert, hat auch Inka ihre Macken zugestanden.

    Draußen hat Marnie ziemlich schnell kapiert, dass es hinter uns sicher ist und hat sich freiwillig abgesetzt bis wir die Hundebegegnung geregelt hatten. Meinte trotzdem jemand, seinen Hund direkt zu ihr lassen zu müssen, haben wir natürlich eingegriffen und nach und nach mit Marnie jede Warnstufe geübt. Marnie hatte auch später nie Interesse an anderen Hunden, aber sie hatte verinnerlicht wie man warnt und das fein dosiert eingesetzt.

    Laila hat für sich die Strategie entwickelt, vor zu gehen um den anderen Hund auf Abstand zu halten und wenn das nicht reicht, notfalls zu töten. Das sitzt bei ihr so tief, dass wir auch nach über 2 Jahren trotz sorgfältigem Training besser keine fremden Hunde treffen. Bei bekannten Hunden und im Haus kann Laila alle Feinheiten der Hundesprache, ist ein bisschen rumpelig aber liebevoll. Laila liebt eigentlich Kontakt mit anderen Hunden, sie ist die absolute Kontaktliegerin, leckt Neo und Inka Schnüss und Ohren, liegt mit Dougy oder Pepper zusammen in der Kudde ...

    Warum die beiden bei ähnlicher Vorerfahrung so anders reagieren liegt meiner Meinung nach an grundsätzlichen Wesenszügen, die ein Hund mitbringt.

  • Da ich hier angesprochen werde ;)


    Ich les mir das morgen mal in Ruhe durch (falls ich dazu komm), dann antworte ich.


    Nur kurz noch. Für mich gehören Aggressionen beim Hund dazu. Es gibt aber gewisse Abstufungen.


    Da Ibo aber ein Hund war, der diese Abstufungen nicht mehr kannte, die wurden ihm grob aberzogen, kannte er nur noch nach vorne und zubeißen. Das haben wir im Laufe seiner Zeit bei uns wieder umgekehrt. Er hat gelernt, zu knurren, Zähne zu zeigen und einen Schritt nach hinten zu gehen.

    Das bedurfte aber viel, viel Zeit Übung und viel Vertrauen zwischen uns.


    Was aber immer oberste Priorität hatte, war der Schutz von anderen. Ibo hat daheim lange Maulkorb getragen, bei Aktionen an ihm oder wenn es eng wurde.

  • Da Ibo aber ein Hund war, der diese Abstufungen nicht mehr kannte, die wurden ihm grob aberzogen, kannte er nur noch nach vorne und zubeißen.

    Das ist ein sehr wichtiges Thema. Eine Frage, die mir in meiner Hundeschulzeit sehr oft gestellt wurde: Was mache ich, wenn mein Hund knurrt. Wenn ich dann geantwortet habe, als erstes freust Du Dich, dass Dein Hund gewaltfrei kommunizieren kann, haben die Leute immer große Augen gemacht. Ganz, ganz viele Hundehalter glauben, ihren Hunden das Knurren abgewöhnen zu müssen. Genau da fangen die Probleme an.

  • Ich finde den Grund der Aggression sehr wichtig. Wenn er statusbedingt ist, muß ich anders handeln, als wenn sie aus Angst/Panik entstanden ist.

    Es stimmt, ich hab genau deswegen lange gegrübelt über die Ursache. Nun weiß ich das Kuki aus beiden Gründen so handelt und kann es deutlich an seiner Körpersprache erkennen und mich dementsprechend verhalten.

  • 2gumo.gif (habe gestern morgen angefangen zu schreiben und bin nicht fertig geworden!)


    Danke für Eure vielen guten Gedanken 1danke3.gif!!


    Ich finde den Grund der Aggression sehr wichtig. Wenn er statusbedingt ist, muß ich anders handeln, als wenn sie aus Angst/Panik entstanden ist.

    Es stimmt, ich hab genau deswegen lange gegrübelt über die Ursache. Nun weiß ich das Kuki aus beiden Gründen so handelt und kann es deutlich an seiner Körpersprache erkennen und mich dementsprechend verhalten.

    Das ist ja spannend Petra!

    Den Grund für die Aggression zu kennen finde ich auch ganz wichtig.

    Nur denke ich, dass wir da einfach nicht immer auf einen grünen Zweig kommen werden, da der Hund nicht verbal mit uns spricht. Wir können "nur" über seine gesamte körperliche Kommunikation erkennen, wie es ihm geht. Wir können ihm ja auch nicht sagen, Du bekommst jetzt ein Medikament (Kügelchen), es kann sein, das wird Dir nochmal vieles in "Erinnerung" rufen, wir meinen es aber nur gut mit Dir!

    Weißt Du was ich meine?

    Liebe Grüße Sibylle mit Lucie und Alex

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  • Hm, ich hab ein Problem damit zu sagen... man kann wissen warum der Hund Aggressionen zeigt.


    Man kann es erahnen, warum. Wissen kann man es nicht.


    Für mich wäre wichtig die Situationen in denen Aggressionen auftreten genau aufzuschlüsseln.

    Wie sahen die Aggressionen aus?

    Gegen wen waren sie gerichtet?

    Wie lange und intensiv?

    Was ist im Vorfeld passiert? Was habe ich gehört, gesehen, gespürt?

    Wie war die Lösung?

    Hat der Hund selbst abgelassen, musste nachgeholfen werden?

    Wie wirkt der Hund im Nachgang?


    So beurteile ich die Aggressionen. Im Grunde ist mir egal ob er aus Angst, Wut, Frust, was auch immer so reagiert. Ich versuche durch die Analyse die Situationen aufzuschlüsseln und zu verändern.

  • Genauso meine ich es auch. Nur finde ich wichtig die Motivation (Panikanfälle usw.) zu wissen. Einmal für diesen Moment, um richtig zu handeln und für den allgemeinen Umgang bei anderen Motivationen. Bei einem Panikanfall hilft es bei Kuki einfach nur ruhig stehen zu bleiben und evtl. gut zureden ( zB "ruhig" und eine freundliche Mimik). Das könnte ich in einer statusbedingten Situation nicht so machen. Zwar ruhig stehen bleiben, aber zusätzlich etwas aufbauen und auf eine Forderung bestehen (zB. Sitz oder auf den Platz zu gehen) und konsequent durchsetzen. Ich geh jetzt allerdings nur von der Erfahrung mit Kuki aus, das geht vielleicht nicht zu verallgemeinern.

    Konsequent zu sein tut sicherlich allen Hunden gut.

  • Panikanfälle

    statusbedingten Situation

    Ich frag echt aus Interesse Petra smknuddel!

    Siehst Du an der Körperhaltung/Mimik usw den Unterschied? Und warum denkst Du, dass es in dem einen Fall Panik und im anderen "statusbedingt" ist?


    Ich frage mich halt, ob wir Menschen da nicht was vermischen und evtl mit der Herangehensweise von Martina - das Beschreiben aller Umstände - nicht weiterkommen. Das soll keine Tüpfelsschißerei sein, wie der Badener sagt .... biggrin!

    Liebe Grüße Sibylle mit Lucie und Alex

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    "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Bertold Brecht


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