Selbsthilfegruppe für Halter von Hochreaktiven Knalltüten

  • Hallo ihr lieben,


    ich wollte hier eine Selbsthilfegruppe gründen. Für all diejenigen unter uns deren Hund eine hochreaktive Knalltüte ist. Ich finden den Austausch enorm wichtig. Gerade bei so Himper-Hamper-Hunden gibt es kein "so muss man es machen" und jeder hat andere Ansatzpunkte.


    Ich hab ja so ein Exemplar hier wohnen. Das Exemplar ist ein Dober-Gnom mit gerade mal 22 Monaten, der einfach ein Hippel-Hampel ist.

    Was ihm fehlt..... das Hirn, eine Bremse, Feingefühl,

    Was er zu viel hat.... Energie, das Renn-Gen, das Explosions-Gen, das Knalltüten-Gen, das Hampel-Gen, das Gaga-Gen, das Schrei-Gen und noch viele Dinge mehr.


    Ich muss dazu sagen, das Neo mein erster junger Hund ist, ich hab also noch nie einen Hund in der Entwicklung und Pubertät gehabt, das das aber so wird, hab ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht erträumt.


    Neo ist in allem was er tut extrem. Er zeigt extreme Angst und Unsicherheiten überdeckt die aber mit extremen Verhalten.

    Er zieht wie ein Ochse an der Leine, er springt wie ein Känguruh von links nach rechts, er schreit bei Hunde-Menschen-egal was für Begegnungen weil er hin will, er springt in die Leine, kreiselt, windet sich wie ein Fisch, wälzt sich Kopfschlagenderweise auf dem Boden, schmeißt sich in vollem Lauf zum wälzen hin, schmeißt sich gegen Schienbeine zum wälzen hin, springt aus vollem Lauf mitten in uns oder Holly rein, bellt alles und jeden an, versucht alles mit Schnelligkeit hinzubekommen, überschlägt sich in seinem tun......... soll ich weiter machen, mir fällt noch jede Menge ein.


    Ich hab so den Eindruck das Neo jeden Tag alles neu lernen muss.

    Wobei es da zwei Seiten gibt. Im Haus, im Garten, in bekannter -abgegrenzter Umgebung ist Neo ein hochintelligenter Kerl. Er kann zeigen was für Potential er hat und es macht ihm Spaß zu arbeiten, zu lernen, zu spielen.

    Die große weite Welt da draußen überfordert ihn massiv. Ich denke es ist eine Reizüberflutung, mit der er nicht zurecht kommt. Es strömt einfach zu viel auf ihn ein und er lässt sich von allem ablenken, kann sich nicht fokussieren oder gar Impulskontrolle betreiben.


    Ich bin nur heilfroh, das mir meine vorherigen Angst-Aggressiven Hunde gezeigt haben, das das wichtigste was ein Hund lernen muss RUHE ist.

    Das hab ich bei Neo von Anfang an wirklich bis zum erbrechen geübt hab. Zu Hause klappt das auch super und er kann viel schlafen.


    Draußen haben wir viel mit "alles anschauen, viel stehen bleiben, Ruheinseln schaffen" gearbeitet und so langsam macht es sich bezahlt. Ich hab den Eindruck das er so langsam in der Lage ist, Sachen zu lernen und zu behalten.


    So, das war ein kurzer Überblick über mein hochreaktives Knalltütchen Neo.

  • Martina, du sprichst mir so aus der Seele. Ich habe ja nun keine Angsthunde zuhause sondern "nur" unerzogene Kandidaten und fühle mich teilweise ein wenig fehl am Platz mit meinen "Luxusproblemen" smverlegen Es tut unheimlich gut, zu lesen, dass auch noch andere die gleichen Probleme haben. smdrueck


    Bei Ares ist es sehr ähnlich wie bei Neo. Er ist draußen stark mit seiner Umwelt beschäftigt. Mir fällt immer auf, dass er, im Gegensatz zu Luna, keinen Blickkontakt zu mir sucht. Dennoch habe ich den Eindruck, dass er meine Anwesenheit bemerkt. Ob ich das als ausreichend bewerten soll, kann ich noch nicht sagen.brillesm


    Ares ist definitiv auch kein Anfängerhund. Ohne unsere Erfahrungen mit Luna, könnte ich nicht sagen, ob er noch bei uns wäre bzw. je bei uns eingezogen smverlegen

    Hier wird auch jeder Hund verbellt, in die Leine gesprungen, wie ein Ochse gezogen. Sogar aus dem Auto heraus. Und dann auch nicht nur ein kurzes Wuffen sondern ein kompletter Ausraster.smauweia

    Er sollte mit seinen 3 Jahren ja eigentlich aus der Pubertät raus sein. Nun ist er aber kastriert und ich weiß nicht, wann das gemacht wurde. Gibt es bei Rüden auch eine "zu frühe" Kastration, die Einfluss auf die Entwicklung hat? smweißnicht

    So wie man bei Hündinnen ja auch sagt, dass sie mit der Läufigkeit an Reife gewinnen, was wir bei Luna definitiv beobachtet haben.

  • Gibt es bei Rüden auch eine "zu frühe" Kastration, die Einfluss auf die Entwicklung hat?

    Leider ja, das greift ja genauso in den Reifungsprozess des Gehirns ein, egal ob Rüde oder Hündin. Felix war 2,5 Jahre, als wir ihn kastrieren ließen und ich bin so froh, dass wir entgegen aller "Experten"-Meinungen so lange gewartet haben.

  • So ein bisschen erkenne ich meinen Neo wieder. Gut, er hat keine Angst, aber ziehen wie ein Ochse, überall hin, draussen nicht konzentrieren können, keine Bremse haben .... das kenne ich auch. Glücklicherweise ist er nie vorgegangen. Er raste zwar (und macht das leider auch heute noch oft genug) auf andere Hunde zu, bremste aber grundsätzlich einige Meter vor ihnen und näherte sich ordentlich an und wenn er angeknurrt wurde, zog er sich zurück.

    Wir sind eigentlich ein ruhiger Haushalt, so dass er im Haus sehr schnell gelernt hat, ruhig zu sein und zu entspannen. Im Garten hat er jedes mal aufs neue den "Kampf" mit den Pferden/Kühen aufgenommen - die Pferde sind ja immer schön weggerannt, wenn er am Zaun gebellt hat, die Kühe haben ihn aber weiter angeglotzt und dann ist er völlig hysterisch geworden. Hier gibt es jetzt keine Kühe und Pferde mehr und der Garten ist blickdicht eingezäunt, da kann er jetzt Ruhe geben.

    Neo ist ein Frühkastrat, nach meiner Rechnung müsste er so etwa 16 Monate gewesen sein, als er kastriert wurde. Ihm fehlt also ein Zeitraum von fast 1,5 Jahren in denen er hätte erwachsen werden sollen, sein Gehirn sich hätte entwickeln sollen. Ich hab bei vielen Problemen lange Zeit "nur" Management betrieben, weil ich immer das Gefühl hatte, was wir gestern gelernt haben ist heute vergessen und irgendwann hat mich meine Geduld auch verlassen. Ich hab dann gemerkt, dass ich Neo gegenüber ungerecht und ungeduldig werde. Inzwischen ist er fast 10 Jahre alt und seit etwa 4 oder 5 Jahren merke ich, dass ich besser an ihn rankomme. Durch Laila musste ich jetzt viele Sachen auch mit Neo neu trainieren. Mit ihm trainiere ich jetzt ca.1 Jahr wieder vermehrt und jetzt ist das da, was ein Labrador so haben "muss": Aufmerksamkeit, will to please. Geduld ist immer noch nicht seine starke Seite und andere Hunde sind ein so starker Reiz, dass ich echt schnell sein muss um ihn vorher wieder einzusammeln und auf mich zu konzentrieren. Aber ansonsten ist er jetzt auch draussen ein ganz toller Hund.

  • Ich erkenne in dem Geschriebenen ganz genau meine Lola wieder. Sie hat uns am Anfang durch ihr extremes rumspringen sogar verletzt.

    Ich hatte blaue Zehennägel vom vielen ausbremsen.Konnte kaum noch laufen, weil mein Schienbein angeschwollen war. Sie ist sehr viel ruhiger geworden. Trotzdem wirkt sie oft unkontrolliert. Sie läuft immer wieder gegen irgendwelche Gegenstände oder Kuki oder uns. Sie verfehlt Stufen und stürzt deswegen, fällt vom Sofa und tut sich dadurch auch oft selber weh. Manch mal wirkt sie, als hätte sie überhaupt kein Gehirn. Dann hat sie aber wieder Tage an denen sie hochkonzentriert und sehr kontrollierbar ist. Wenn ich selbst einen Tag hab an dem ich nicht gut drauf bin, weiß ich, es wird eine Katastrophe mit ihr. Da mach ich auf keinen Fall eine neue Runde mit ihr.


    Generell hilft eigentlich immer nur RUHE, RUHE, RUHE. Immer immer ausbremsen, stehen bleiben. Am meißten hat mir der Satz geholfen oder die Frage ob schon mal jemand einen Rentner mit einem wuseligen Hund gesehen hat. Die Hunde von Rentznern schleichen ja meist. Alaso wenn ich mal wieder hektisch werde, stell ich mir einfach vor, daß ich uralt bin.smlach

  • Wir haben Neo sehr früh kastrieren lassen...er zeigte sehr früh hypersexuelles Verhalten und alles was ich oben geschildert habe, war noch viel stärker ausgeprägt vor allem in allen Situationen. Er kam auch daheim nur schlecht zur Ruhe.


    Ich wollte das nie und hab lang mit damit gehadert, wir haben mit vielen Leuten geredet und alles mögliche ausprobiert.

    Ich weiß um die Folgen einer Kastration und einer Frühkastration, aber ganz ehrlich, das damals war unaushaltbar, vor allem für Holly.


    Nach der Kastration hat sich vieles gebessert und Neo ist insgesamt "ruhiger und ausgeglichener" geworden. Also so von 300 auf 180 :) oder so.

  • Ich glaube, dass ist die Zwickmühle in die viele Rüdenbesitzer geraten. Entweder sind sie durch ihr hypersexuelles Verhalten nicht aufnahmefähig oder durch die Kastration zurück in der Entwicklung. Natürlich trifft das nicht auf alle zu. Ich habe es aber bei vielen beobachtet.


    Ich glaube immer nur Ruhe, Disziplin, Beherrschtheit kann bei dieser Art von Hunden auch zu noch mehr Stress und Frust führen. Deshalb achte ich darauf, dass Ares auch mal unter gewissen Vorraussetzungen, einfach mal seine 5 Minuten haben darf und kreuz und quer durch den Garten oder draußen über die Wiese flitzen kann. Es kommt mir so vor, als fühlt er sich dann total befreit smverlegen

  • Neo war schon kastriert, als er zu uns kam. Ich habe beim TSV mal gefragt, warum er so früh kastriert wurde und bekam die lapidare Antwort "das machen wir immer so, dann sind die Rüden besser zu vermitteln" und das finde ich halt nicht gut. Wenn man sich Gedanken macht wie Du, Martina, ist das für mich ok. Dann hat man das Für und Wider abgewogen und eine bewusste Entscheidung getroffen, aber dieses "das machen wir immer so" ...


    Wir haben Neo auch immer die Möglichkeite gegeben, zu rennen und sich auszutoben. Da gab es den Garten, da war sein Kumpel Ole und in der HuSchu gab es einen Goldie, mit dem er auch gerne gerannt ist. Das fand natürlich immer nach der eigentlichen Hundestunde statt, wir durften dann den Platz noch ein bissi benutzen. Aber im Haus war Ruhe. Wir haben da auch mal Suchspiele gemacht, aber eben nix wildes. Marnie war auch nicht für wilde Zerrspiele oder Gerenne zu haben, sie hat Neo also nie animiert. Jetzt mit Laila ist das anders. Die zergelt auch gerne oder macht Maulkämpfe mit Neo. Wenn das zu wild wird, scheuche ich die beiden aber in den Garten und lasse sie dort toben.

  • Ich wollt den Thread noch mal hoch holen und eine kleine Anekdote aus dem Hyperreaktiven Knalltüten Dobergnom Alltag zum besten geben.

    ....und auch gerne von euch welche lesen.



    Bevor wir abends ins Bett gehen, geht es für unsere beiden noch mal in den Garten, die letzten Geschäfte erledigen.


    Neo rennt raus, zieht einen Kreis durch den Garten

    muss dann schnell stehen bleiben,

    weil er merkt er fängt das pieseln an,

    dann merkt er das seine Pfoten nass werden,

    weil er so steht, das alles in Richtung seiner Vorderpfoten läuft

    also muss er schnell weiterlaufen.....


    Holly geht raus, schnüffelt kurz, setzt sich hin....pieselt, geht zur Tür, möchte nach drinnen, ins Schlafzimmer auf ihr Kissen und schlafen!


    Neo läuft noch immer.

    Er hört in der Ferne den Zug, brummt kurz

    dann bewegt sich ein Ast...oh, da muss er nachschauen

    rennt noch mal ne Runde...muss eigentlich noch mal pieseln und evtl. auch nen Haufen machen.


    Also schnüffelt er mal und......

    findet ein Spielzeug....oh ja, super, das kann man sich um die Ohren hauen, sich im Kreis drehen, dem Frauchen in die Beine rennen, Holly damit nerven und

    oh, da reden Nachbarn..... da muss man dann mal bellen!


    Holly darf dann nach drinnen und geht schlafen!


    Der Dober läuft dann mal wieder einen Kreis findet dann ne Stelle wo er seinen Haufen ablegen möchte, dreht sich, wendet sich und dann pickst ihm doch so ein Ast in den Allerwertesten, er springt wie von der Tarantel gestochen nach vorne und dreht mal wieder seine Kreise.


    Nächster Anlauf ...schnüffeln, abwägen...nein nicht der richtige Platz, also weiter laufen.

    Dann findet man doch glatt noch die Spur eines Leckerli und muss im Topspeed abbremsen, findet dann aber das Leckerli nimmer, also rennt man hektisch hin und her, bis das Frauchen dann mal hilft.


    Dann ja dann hat man vergessen was man wollte.


    Also läuft der Gnom wieder rum, findet doch noch einen Platz, dreht, wendet, setzt, dreht, wendet, setzt sich hin und fängt das ka*** an, dummerweise muss man ja auch noch pieseln und erledigt dann beides, da das aber ja blöd ist, hüpft man schnell im hohen Bogen über beides drüber und

    fängt wieder das kreiseln an :)


    Keine Sorge, wir kommen dann auch noch ins Bett.

    Aber auch da ist es so, das der Gnom erst in sein Kissen verschwindet, wenn wir auch im Bett liegen :)